Lieblingsbücher, Rezensionen und Leseprojekte

Schlagwort: Frauenlesen

Jami Attenberg: Ist alles deins! 

Ein multiperspektivisches Porträt einer Familie, die am Abgrund steht – oder vielleicht ist sie auch schon lange hineingestürzt? Jami Attenberg blickt tief in den diesen Abgrund, als der Familienpatriarch Viktor nach einem Herzinfarkt auf der Intensivstation im Sterben liegt. Und dafür braucht sie nur einen einzigen Tag, in dessen Verlauf wie im Kaleidoskop Verletzungen, Intrigen und Erinnerungen aufbrechen und durcheinandergewirbelt werden.

Kate Reed Petty: True Story

Was beginnt wie eine klassische Highschool-Geschichte – Lacross-Team, ausschweifende Partys, coole Kids – schlägt schnell um in die Geschichte einer tragischen Nacht, die mehr als nur ein Leben für immer verändern wird. Kate Reed Petty hat ein furioses Debüt geschrieben, das Genregrenzen überschreitet und mutig mit Form und Inhalt experimentiert. 

Valentina Grande & Eva Rossetti: Frauen, die die Kunst revolutioniert haben

In dieser besonderen Graphic Novel gibt es jede Menge zu entdecken: Drei Künstlerinnen und ein Kollektiv, die alle auf ihre Weise die Kunst mit Aktivismus verbunden, Leerstellen aufgezeigt und lautstark auf sich und Missstände in Kultur und Gesellschaft aufmerksam gemacht haben. Ein fabelhaftes Buch, um einen zauberhaft illustrierten Blitzeinblick in Leben und Werk feministischer Künstlerinnen zu bekommen.

Hanne Ørstavik: ti amo

Als ihr Mann eine Krebsdiagnose erhält und es klar ist, dass er sterben wird, beginnt Hanne Ørstavik über die Beziehung zueinander und zum Tod, die Veränderungen in der Partnerschaft, den Verlauf einer Krankheit und vor allem eines zu schreiben: die Liebe. Herausgekommen ist »ti amo«, ein schmales Bändchen, in dem so unglaublich viel steckt, dass es für immer bleiben könnte.

Alix Kates Shulman: Erfahrungen eines schönen Mädchens

Sasha ist schön, sie ist klug, sie ist eine junge Frau, die hinter ihren Möglichkeiten zurückbleibt. Denn ihre Möglichkeiten bewegen sich in einem engen Rahmen, nämlich dem Leben Lebens als Frau in den 50er- und 60er-Jahren. Dass die Perspektiven eines schönen Mädchens nicht besser sind als die eines weniger schönen, sondern lediglich anders, zeigt Alix Kates Shulman beeindruckend in diesem feministischen Klassiker.

Jessica Lind: Mama

Amira möchte ein Kind. Josef ist sich nicht so sicher. Der Kinderwunsch dominiert und belastet ihre Beziehung mehr und mehr. Die beiden verbringen ein Wochenende in der abgelegenen Hütte von Josefs verstorbenen Vater in den österreichischen Bergen. Doch statt der gewünschten Harmonie und Klärung entwickelt sich ein zunächst subtiler Horror. Jessica Lind hat ein beeindruckendes Debüt geschrieben, das mich voll und ganz in den Bann gezogen hat.

Ava Farmehri: Im düstern Wald werden unsre Leiber hängen

Eine zwanzigjährige Frau wartet im Iran auf ihre Hinrichtung. Eingesperrt in einer Zelle, ohne den Himmel zu sehen, ohne Uhrzeit. Allein. Ihr Geständnis, die eigene Mutter getötet zu haben, ist umfassend und sie ist bereit, das Todesurteil zu akzeptieren. Isoliert in ihrer Zelle sinniert sie über ihre Kindheit und Jugend im Iran nach der islamischen Revolution. Über Freiheit und Unfreiheit, die Rolle des Vaters, ihr Verhältnis zu Mensch und Natur, den Wunsch nach Erlösung. Und das ist schlicht brillant.

Sharon Dodua Otoo: Adas Raum

Ada bewegt sich in Schleifen durch die Zeit, denn sie ist nicht eine Frau, sondern viele Frauen. Vier von diesen Frauen lernen wir in unterschiedlichen Phasen der Weltgeschichte kennen. Und auch wenn diese vier Frauen zeitlich weit voneinander entfernt gelebt haben, so sind sie doch miteinander verbunden durch Erlebtes, Erfahrenes und ein Armband, das Ada durch den Lauf der Zeit begleitet. Erzählt wird all dies von Besen, Türklopfern, Reisepässen oder auch einem ganzen Raum.